Die Heizölpreise in Deutschland haben seit 2020 groĂe AusschlĂ€ge erlebt. Auf den Preisverfall wĂ€hrend der Corona-Pandemie folgten eine krĂ€ftige Erholung und der Preisschock nach Russlands Angriff auf die Ukraine. Von 2023 bis 2025 wurde Heizöl im Jahresdurchschnitt wieder gĂŒnstiger. Im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 sorgten der Iran-Krieg und Störungen wichtiger Transportwege jedoch erneut fĂŒr erhebliche Preissteigerungen. Der RĂŒckblick zeigt, was die Entwicklung bestimmt hat und warum sich Rohölpreise, COâ-Kosten und regionale Lieferpreise unterscheiden können.
Stand: 24. September 2026. Die Angaben fĂŒr 2020 bis 2025 beziehen sich auf abgeschlossene Kalenderjahre. FĂŒr 2026 werden bislang veröffentlichte Daten und datierte Marktberichte berĂŒcksichtigt. Ein Jahresdurchschnitt fĂŒr das Gesamtjahr 2026 liegt noch nicht vor.
2020: Die Pandemie lÀsst die Heizölpreise fallen
2020 brach die weltweite Nachfrage nach Erdöl ein. ReisebeschrĂ€nkungen, weniger Flugverkehr und die zeitweise Stilllegung von Betrieben senkten den Verbrauch deutlich. Gleichzeitig lieĂ sich die Ălproduktion nicht sofort an die verĂ€nderte Nachfrage anpassen. Das Ăberangebot setzte die internationalen Ălpreise unter Druck und machte sich auch beim Heizöl in Deutschland bemerkbar.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verbilligte sich leichtes Heizöl im Jahresdurchschnitt 2020 um 25,9 Prozent gegenĂŒber 2019. Wer in einer gĂŒnstigen Marktphase bestellen konnte, profitierte erheblich. ZusĂ€tzlich wirkte sich die vorĂŒbergehende Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent in der zweiten JahreshĂ€lfte auf die Verbraucherpreise aus.
Das auĂergewöhnlich niedrige Preisniveau war damit eng an die wirtschaftliche Ausnahmesituation gebunden. Es bot keinen verlĂ€sslichen MaĂstab dafĂŒr, was Heizöl unter normalen Marktbedingungen dauerhaft kosten wĂŒrde.
2021: Wirtschaftliche Erholung und neue COâ-Kosten
Mit der schrittweisen Wiederaufnahme des Wirtschaftslebens stieg 2021 auch der Ălbedarf. Industrie, GĂŒterverkehr und zunehmende MobilitĂ€t sorgten fĂŒr mehr Nachfrage. Die Heizölpreise erholten sich deshalb deutlich von ihrem niedrigen Vorjahresniveau. In seiner damaligen Jahresauswertung meldete das Statistische Bundesamt fĂŒr leichtes Heizöl einen Anstieg um 41,8 Prozent gegenĂŒber 2020.
Hinzu kamen VerĂ€nderungen in Deutschland: Seit Januar 2021 erfasste der nationale Emissionshandel unter anderem Heizöl. Der Einstiegspreis betrug 25 Euro je Tonne COâ. Brennstofflieferanten mussten entsprechende Zertifikate erwerben; die damit verbundenen Kosten flossen in die Verkaufspreise ein. AuĂerdem galt wieder der regulĂ€re Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.
Der starke Anstieg hatte somit mehrere Ursachen. Neben der Erholung am Ălmarkt verteuerten die COâ-Bepreisung und das Ende der vorĂŒbergehenden Mehrwertsteuersenkung den Einkauf. Der Vergleich mit dem besonders gĂŒnstigen Pandemiejahr lieĂ die prozentuale Zunahme zusĂ€tzlich groĂ ausfallen.
2022: Der Ukraine-Krieg löst einen Preisschock aus
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 verschĂ€rfte sich die Lage an den EnergiemĂ€rkten schlagartig. Die Sorge vor LieferausfĂ€llen, Sanktionen und verĂ€nderte Handelsströme fĂŒhrten zu massiven PreisausschlĂ€gen. Russland war ein wichtiger Lieferant fĂŒr den europĂ€ischen Ălmarkt, weshalb die Unsicherheit unmittelbar auf die Preise durchschlug.
Im MĂ€rz ĂŒberschritten Heizölnotierungen zeitweise sogar die Marke von zwei Euro je Liter. Das waren kurzfristige Spitzen und kein Preisniveau, das fĂŒr das gesamte Jahr oder jede Lieferregion galt. Dennoch wurde eine TankfĂŒllung fĂŒr viele Haushalte erheblich teurer.
Dabei genĂŒgt der Blick auf Rohöl allein nicht, um die Entwicklung zu erklĂ€ren. Auch die Verarbeitung in Raffinerien, die VerfĂŒgbarkeit von Diesel und Heizöl sowie der Transport beeinflussten den Endpreis. Hinzu kam der schwache Euro gegenĂŒber dem US-Dollar: Da Ăl international ĂŒberwiegend in Dollar gehandelt wird, verteuerte die Wechselkursentwicklung den Einkauf fĂŒr europĂ€ische Abnehmer zusĂ€tzlich.
2023: Deutliche Entlastung nach dem Krisenjahr
2023 entspannte sich der Heizölmarkt gegenĂŒber dem auĂergewöhnlich teuren Vorjahr. Laut Statistischem Bundesamt sank der Preis fĂŒr leichtes Heizöl im Jahresdurchschnitt um 22,2 Prozent gegenĂŒber 2022. Die akute Ausnahmesituation verlor an SchĂ€rfe, und die Versorgung stellte sich auf verĂ€nderte Lieferbeziehungen ein.
Der RĂŒckgang verlief allerdings nicht gleichmĂ€Ăig. Zwischen einzelnen Monaten gab es weiterhin krĂ€ftige Bewegungen. So meldete Destatis fĂŒr August 2023 einen Heizölpreisanstieg von 14,2 Prozent gegenĂŒber Juli. Gleichzeitig lag der Preis noch deutlich unter dem Wert des Vorjahresmonats. Daran zeigt sich, wie unterschiedlich dieselbe Marktlage je nach Vergleichszeitraum aussehen kann.
FĂŒr Haushalte bedeutete 2023 deshalb vor allem eine Entlastung gegenĂŒber dem Preisschock von 2022. Eine dauerhafte RĂŒckkehr zu den niedrigen Preisen des Pandemiejahres war damit nicht verbunden.
2024: Heizöl wird trotz höherer COâ-Bepreisung gĂŒnstiger
2024 setzte sich die Entlastung fort, allerdings wesentlich langsamer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete leichtes Heizöl im Jahresdurchschnitt 3,9 Prozent weniger als 2023. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen nennt fĂŒr das Jahr einen durchschnittlichen Verbraucherpreis von rund 99 Cent je Liter.
Gleichzeitig stieg der nationale COâ-Preis von 30 auf 45 Euro je Tonne. Dass Heizöl im Jahresmittel dennoch gĂŒnstiger wurde, verdeutlicht: Die COâ-Kosten sind nur ein Bestandteil des Endpreises. RĂŒckgĂ€nge bei den ĂŒbrigen Preisbestandteilen können einen höheren COâ-Aufschlag ausgleichen oder ĂŒbertreffen.
Auch der Bestellzeitpunkt blieb relevant. Nach der Auswertung der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen lag der Preisunterschied zwischen Februar und September 2024 bei rund 15 Cent je Liter. Bei einer Bestellung von 3.000 Litern entspricht das rechnerisch etwa 450 Euro. Der tatsÀchliche Rechnungsbetrag hing zusÀtzlich von Lieferort, HÀndler und Lieferbedingungen ab.
2025: Ein weiteres Jahr mit sinkenden Durchschnittspreisen
2025 wurde Heizöl im Jahresdurchschnitt erneut gĂŒnstiger. Das Statistische Bundesamt weist fĂŒr leichtes Heizöl einen RĂŒckgang um 5,3 Prozent gegenĂŒber 2024 aus. Damit folgte auf die starke Entlastung 2023 ein zweites Jahr mit einem moderateren PreisrĂŒckgang.
Am internationalen Ălmarkt wirkte unter anderem ein gröĂeres Angebot preisdĂ€mpfend. Dazu trugen steigende Fördermengen auĂerhalb der OPEC sowie die schrittweise Ausweitung der Produktion durch die OPEC+ bei. Diese Entwicklung entlastete den Einkauf, obwohl geopolitische Spannungen weiterhin kurzfristige AusschlĂ€ge auslösen konnten.
In Deutschland erhöhte sich der COâ-Preis zugleich auf 55 Euro je Tonne. Auch 2025 ĂŒberwogen im Jahresdurchschnitt somit andere MarkteinflĂŒsse den zusĂ€tzlichen COâ-Aufschlag. FĂŒr einzelne Haushalte konnte die Entwicklung dennoch anders aussehen: Wer zu einem ungĂŒnstigen Zeitpunkt oder unter Zeitdruck bestellte, profitierte nicht zwangslĂ€ufig vom gesamten durchschnittlichen RĂŒckgang.
2026: Erneuter Preisschub durch den Iran-Krieg
Die Entlastung der Vorjahre setzte sich 2026 bislang nicht fort. Der Iran-Krieg und die BeeintrĂ€chtigung des Schiffsverkehrs durch die StraĂe von Hormus fĂŒhrten zu neuer Unsicherheit ĂŒber die Ălversorgung. Bereits fĂŒr MĂ€rz 2026 meldete das Statistische Bundesamt bei leichtem Heizöl einen Preisanstieg von 44,4 Prozent gegenĂŒber MĂ€rz 2025.
Nach zwischenzeitlichen RĂŒckgĂ€ngen verschĂ€rfte sich die Lage im SpĂ€tsommer wieder. Marktberichte aus dem September nennen anhaltende Störungen der Transportwege, Angriffe auf Schiffe und Risiken fĂŒr die Ălinfrastruktur als Preistreiber. ZusĂ€tzlich verteuerte sich Gasöl, dessen Börsenpreis fĂŒr die europĂ€ischen Diesel- und HeizölmĂ€rkte besonders relevant ist.
Wie groĂ die Bewegung ausfiel, zeigt eine datierte Momentaufnahme: HeizOel24 meldete am 9. September 2026 einen bundesweiten Durchschnittspreis von 152,48 Euro je 100 Liter bei einer Bestellmenge von 3.000 Litern. Im selben Marktbericht wurde das zwischenzeitliche Juni-Tief mit rund 109 Euro je 100 Liter angegeben. Diese Werte beschreiben einzelne Marktphasen und dĂŒrfen nicht als Jahresdurchschnitt verstanden werden.
Daneben Ă€nderte sich 2026 die Ausgestaltung des nationalen Emissionshandels. An die Stelle des festen Zertifikatspreises trat ein Versteigerungskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne COâ. Der krĂ€ftige Heizölpreisanstieg lĂ€sst sich damit jedoch nicht allein erklĂ€ren. Die Störungen am internationalen Ăl- und Mineralölmarkt wirkten wesentlich stĂ€rker als die begrenzte zusĂ€tzliche Belastung innerhalb dieses Korridors.
Wie teuer das Gesamtjahr 2026 letztlich ausfĂ€llt, lĂ€sst sich im September noch nicht abschlieĂend beurteilen. DafĂŒr sind sowohl die weitere Entwicklung der Konflikte als auch die Versorgungslage wĂ€hrend der kommenden Heizperiode entscheidend.
Was die Heizölpreise beeinflusst
Rohölangebot, Nachfrage und Förderpolitik
Steigt der weltweite Ălverbrauch stĂ€rker als das Angebot, geraten die Preise hĂ€ufig unter AufwĂ€rtsdruck. Eine schwache Konjunktur oder zusĂ€tzliche Fördermengen können sie dagegen dĂ€mpfen. Entscheidungen der OPEC und ihrer Partner innerhalb der OPEC+ beeinflussen das verfĂŒgbare Angebot. Ebenso relevant sind die Produktion anderer LĂ€nder und die vorhandenen LagerbestĂ€nde.
Raffinerien, Gasöl und Transportwege
Heizöl entsteht erst durch die Verarbeitung von Rohöl. Deshalb kann es sich auch dann verteuern, wenn der Rohölpreis kaum steigt: etwa bei RaffinerieausfĂ€llen, knapper VerfĂŒgbarkeit von Mitteldestillaten wie Diesel und Heizöl oder gestörten Lieferwegen. Regionale Transportkosten und die Auslastung des Handels kommen hinzu.
Euro-Dollar-Wechselkurs
Ein schwĂ€cherer Euro macht den in Dollar abgerechneten Ăleinkauf tendenziell teurer. Ein stĂ€rkerer Euro kann entlasten. Rohölpreise in Dollar und Heizölpreise in Euro mĂŒssen sich daher weder im gleichen Umfang noch zur gleichen Zeit bewegen.
COâ-Preis, Steuern und Bestellbedingungen
Zum Endpreis gehören auch die COâ-Kosten, die Energiesteuer und die Mehrwertsteuer. Zur GröĂenordnung: Die Verbraucherzentrale beziffert die COâ-Kosten fĂŒr rund 2.000 Liter Heizöl 2025 auf etwa 350 Euro einschlieĂlich Mehrwertsteuer. FĂŒr 2026 nennt sie innerhalb des Preiskorridors ungefĂ€hr 350 bis 410 Euro. Gemeint ist jeweils der COâ-Anteil, nicht die gesamte Heizölrechnung.
AuĂerdem beeinflussen Bestellmenge, HeizölqualitĂ€t, Lieferort und Lieferfrist das Angebot. Bundesweite Durchschnittswerte dienen deshalb zur Orientierung. Sie ersetzen kein konkretes Angebot fĂŒr die eigene Adresse.
Ausblick: Warum sichere Preisprognosen schwierig bleiben
Der RĂŒckblick zeigt, wie stark sich Heizölpreise innerhalb weniger Jahre verĂ€ndern können. Wer sich auf eine neue Bestellung vorbereitet, findet auf heizoel.org weiterfĂŒhrende Informationen zur Preisentwicklung, zu HeizölhĂ€ndlern und zum Bestellablauf.
Langfristig können GebĂ€udesanierungen und der Wechsel zu anderen Heizsystemen den Heizölbedarf senken. Daraus folgt jedoch keine Garantie fĂŒr dauerhaft niedrigere Literpreise. Gleichzeitig verĂ€ndern sich RaffineriekapazitĂ€ten, Handelswege und die Kosten des COâ-AusstoĂes. Die einzelnen Entwicklungen können sich gegenseitig verstĂ€rken oder ausgleichen.
FĂŒr die nĂ€chste Bestellung ist deshalb vor allem ein rechtzeitiger Vergleich sinnvoll: Angebote sollten dieselbe Menge und QualitĂ€t, vergleichbare Lieferfristen sowie sĂ€mtliche ZuschlĂ€ge enthalten. Wer den Tankstand regelmĂ€Ăig prĂŒft, vermeidet unnötigen Zeitdruck. Eine feste Regel wie âIm Sommer ist Heizöl immer am gĂŒnstigstenâ lĂ€sst sich aus den vergangenen Jahren nicht ableiten.
Quellen
Die amtlichen JahresverĂ€nderungen beziehen sich auf Verbraucherpreise fĂŒr leichtes Heizöl in Deutschland. Angaben aus Marktportalen sind gesondert gekennzeichnete Momentaufnahmen. Unterschiedliche Erhebungen können wegen abweichender Bestellmengen, Regionen und Erhebungszeitpunkte voneinander abweichen.
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate 2020 â Jahresauswertung mit Preisentwicklung bei leichtem Heizöl
- Statistisches Bundesamt: Veröffentlichungen zur Verbraucherpreisentwicklung, einschlieĂlich der Jahreswerte 2021
- HeizOel24: Historische Heizölpreisentwicklung und Einordnung der Preisspitzen 2022
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im Jahr 2023 â Heizöl im Jahresdurchschnitt 22,2 Prozent gĂŒnstiger
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im Jahr 2024 â Preisentwicklung der Haushaltsenergie
- Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Jahresbericht 2024 mit Angaben zu Heizölpreisen und Schwankungen innerhalb des Jahres
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im Jahr 2025 â Heizöl im Jahresdurchschnitt 5,3 Prozent gĂŒnstiger
- esyoil: Heizölpreis-Geschichte und HintergrĂŒnde der Marktbewegungen
- Statistisches Bundesamt: Energiepreise wie in frĂŒheren Krisen stark gestiegen â Daten fĂŒr MĂ€rz 2026
- HeizOel24: Marktbericht vom 9. September 2026 mit datierten Heizölpreisen
- HeizOel24: Marktbericht vom 11. September 2026 zur Lage am Ăl- und Gasölmarkt
- Umweltbundesamt: Nationaler Emissionshandel und Preiskorridor 2026
- Verbraucherzentrale: COâ-Preis und zusĂ€tzliche Heizkosten fĂŒr Ăl und Gas
